Der Schriftsteller Günter de Bruyn (1926–2020), seit 2019 Ehrenbürger der Gemeinde Tauche und des Landkreises Oder-Spree, ist mit der Region um die Kreisstadt Beeskow seit 1968 eng verbunden gewesen. Mit Werken wie Märkische Forschungen, Mein Brandenburg, Kossenblatt oder Abseits – Liebeserklärung an eine Landschaft hat der Wahl-Görsdorfer diese Gegend deutschlandweit bekannt gemacht und ihr ein literarisches Denkmal gesetzt. Seit 2021 bemühen sich eine neu gegründete Stiftung und ein Freundeskreis, Leben und Werk von Günter de Bruyn wach zu halten. Dazu gehört u.a. auch, das Refugium des Autors, die alte Schäferei an der einstigen Blabbermühle, als Literatur- und Begegnungsort zu erhalten und weiterzuentwickeln.
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Die Günter-de-Bruyn-Stiftung, deren Gründung auf einer testamentarischen Verfügung Günter de Bruyns beruht und die sich am 28. Juli 2021 in seiner Wohn- und Arbeitsstätte in der alten Schäferei in Blabber konstituierte, hat sich satzungsgemäß verpflichtet, die ideellen wie gegenständlichen Zeugnisse dieses Refugiums am Blabbergraben unweit von Görsdorf bei Beeskow zu sichern und literarisch wie zeitgeschichtlich als Gesamtkomplex zu erschließen. Mithilfe des Landkreises Oder-Spree, des Landes Brandenburg und des Bundes wird die umfangreiche Forschungsbibliothek mit Schwerpunkt 18./19. Jahrhundert inventarisiert, eine Vollständigkeit anstrebende Bibliographie erstellt, das Archiv mit Originalmanuskripten, Tagebüchern, der Korrespondenz, den MfS-Unterlagen und der kulturhistorisch-regionalgeschichtlichen Sammlung gesichtet und verzeichnet.
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Anlässlich des 100. Geburtstages des Autors am 1. November schreibt die Günter-de-Bruyn-Stiftung gemeinsam mit der Burg Beeskow (Landkreis Oder-Spree) und der Stiftung Kleist-Museum vom 1. Juli bis 31. August 2026 bereits zum dritten Mal das Stipendium „Abseits.“ aus. Bewerben können sich Literatinnen und Literaten, die in der Lage sind, Texte und Ergebnisse ihrer Vor-Ort-Arbeit einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Da es sich um ein Tandem-Stipendium handelt, wird die Bewerbung mit einer weiteren Person erwartet, 2026 mit einer bildenden Künstlerin/einem bildenden Künstler, die/der im Anschluss für das vom Landkreis Oder-Spree ausgerichtete und Günter de Bruyn gewidmete Künstlerpleinair in den ersten beiden Septemberwochen gesetzt ist.
Das Stipendium umfasst pro Stipendiat/in 3.000 Euro sowie freien Wohn- und Arbeitsraum in Günter de Bruyns Wohnhaus an der Blabber, wo es möglich ist, unmittelbar und im direkten kreativen Austausch miteinander zu arbeiten. Der Fokus sollte dabei auf der Entwicklung gegenwärtiger Lesarten, literarischer Formate sowie anderweitiger kreativer Potenziale im Umgang mit dem topografischen „Abseits“ liegen, auf der literarisch-künstlerischen Auseinandersetzung mit Rückzug und Einsamkeit ebenso wie mit dem Verhältnis von Mensch und Natur. Die Bezugnahme auf die nähere und weitere Umgebung und deren Bewohnerinnen und Bewohner ist wünschenswert. Texte und Ergebnisse der Arbeit werden u.a. vor Ort und auf der Burg Beeskow präsentiert.
Für die Dauer des Stipendiums besteht Residenzpflicht. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur bedingt erreichbar, ist der Besitz eines Pkw von Vorteil. Fahrräder werden auf Wunsch vorgehalten. Ein Internetzugang ist über Satellit möglich, steht aber nur sehr eingeschränkt zur Verfügung.
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Voraussetzung für die Bewerbung des Hauptbewerbers/der Hauptbewerberin ist die erfolgte Veröffentlichung von mindestens drei selbstständigen Publikationen (Bücher, Anthologiebeiträge, Beiträge in Literaturzeitschriften mit ISBN/ISSN bzw. Aufführungs-, Sendedatum für Dramatik, Hörspiel, Drehbuch), die nicht im Eigenverlag bzw. durch Eigenfinanzierung zustande gekommen sind. Einzureichen sind mindestens zwei Leseproben im Umfang von insgesamt max. 30 Seiten. Daneben wird um ein kurzes, aussagekräftiges Exposé gebeten, in dem das für die Dauer des Stipendiums geplante Tandem-Vorhaben beschrieben wird. Als Anlagen sind beide Biografien, eine Bibliografie bzw. Angaben über Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, Stipendien und Preise etc. einzureichen.
Die vollständigen Bewerbungsunterlagen werden nur in elektronischer Form – zusammengefasst in einem mit dem vollständigen Namen des Hauptbewerbers/der Hauptbewerberin gekennzeichneten PDF – entgegengenommen. Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2025 (Maileingang). Die Auswahl erfolgt Ende des Jahres durch eine Jury. Die Entscheidung der Jury ist nicht anfechtbar.
Bitte senden Sie die Unterlagen an:
Günter-de-Bruyn-Stiftung
Beate Steinberg
E-Mail: kontakt@gdb-s.de
Wolfgang de Bruyn
Tel. 0174 9453 110
E-Mail: wolfgang_de_bruyn@web.de
Mit der Autorin Eleonora Hummel und der bildenden Künstlerin Amber Hummel wird erstmals ein Mutter-Tochter-Tandem im Juli 2026 für gut zwei Monate in das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers Günter de Bruyn (1926–2020) an die Blabber (Landkreis Oder-Spree) ziehen: Darauf einigte sich am Dienstagnachmittag die Jury bei ihrer Sitzung im Frankfurter Kleist-Museum.
Insgesamt waren 20 vollständige Bewerbungen u.a. aus Berlin, Lübeck, Hamburg, Frankfurt am Main und Wien, aber auch aus Strausberg, Pritzwalk, Neustrelitz und Rheinsberg für das zum dritten Mal vergebene Günter-de-Bruyn-Stipendium „Abseits.“ eingegangen. Ausgelobt wurde es von der Günter-de-Bruyn-Stiftung gemeinsam mit der Stiftung Kleist-Museum, Frankfurt (Oder), und der Burg Beeskow, Landkreis Oder-Spree.
Eleonora Hummel, geboren 1970 im heutigen Kasachstan und seit 1982 in Dresden zu Hause, ist seit 2001 schriftstellerisch tätig. Sie veröffentlicht u.a. in (Literatur-)Zeitschriften und Anthologien; ihr Romandebüt „Die Fische von Berlin“ erschien 2005 im Steidl Verlag Göttingen, ihr jüngster Roman „Die Wandelbaren“ 2019 bei Müry Salzmann. 2020 erhielt Eleonora Hummel den Russlanddeutschen Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg für Literatur; sie wurde mit dem Heinrich-Heine-Stipendium ausgezeichnet (2018), dem Schwäbischen Literaturpreis (2017) und dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis der Robert Bosch Stiftung (2006). Ihre Tochter Amber Hummel, 1998 in Dresden geboren, hat an der Burg Giebichenstein Halle Kunst studiert und ist parallel dazu in den Bereichen Theater, Film und Literatur aktiv.
Die Autorin Odile Kennel und der Bildende Künstler Jan Beumelburg werden im August 2025 als Stipendiat:innen in das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers Günter de Bruyn (1926–2020) an die Blabber (Landkreis Oder-Spree) ziehen.
Insgesamt waren 18 vollständige Bewerbungen u.a. aus Berlin, Hamburg, Leipzig, Potsdam, Würzburg und Hildesheim, Brüssow und Kablow, aber auch aus Österreich, Frankreich und Irland für das zum zweiten Mal vergebene Günter-de-Bruyn-Stipendium „Abseits.“ eingegangen. Ausgelobt wurde es von der Günter-de-Bruyn-Stiftung gemeinsam mit der Stiftung Kleist-Museum, Frankfurt (Oder), und der Burg Beeskow, Landkreis Oder-Spree.
Odile Kennel lebt als Lyrikerin, Romanautorin und Übersetzerin in Berlin. Sie schreibt auf Deutsch und Französisch. Jan Beumelburg studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und lebt seit 1994 als freischaffender Künstler in Brandenburg.
Das Tandem Odile Kennel und Jan Beumelburg, lobte die Jury, nehme in seiner Bewerbung sehr klar Bezug aufeinander. Im Dialog über Text und Kunst, heißt es darin, den sie beide führten, sei der Wunsch entstanden, gemeinsam zu arbeiten, konkret, ein „Künstlerbuchprojekt“ zu entwickeln, „in dem das Bild den Text und der Text das Bild inspiriere“. Im „Abseits.“, schreiben beide, würden sie „Natur gern auch als semantischen Raum ausloten, sich künstlerisch mit Themen wie dem Verhältnis von Körper, Raum und Geschichte oder von Körper, Raum und Zerstörung (der eigenen Umwelt) auseinandersetzen“. Auf den zu erwartenden Dialog zwischen Lyrik und Malerei, urteilte die Jury, könne man gespannt sein.
Odil Kennel und Jan Beumelburg beginnen ihren Aufenthalt an der Blabbermühle am Freitag, 01. August 2025 und residieren bis zum 17. Oktober 2025.
„Eine unzeitgemäße Stille umgibt diesen Ort, der man sich stellen, die man aushalten muss, um sie produktiv nutzbar zu machen“, sagt Wolfgang de Bruyn, Mitglied der Günter-de-Bruyn-Stiftung und Sohn des Schriftstellers. Im Sommer 2023 hatten die Autorin Judith Zander und der Fotokünstler Sven Gatter diese Herausforderung als erstes „Abseits.“-Tandem angenommen – und, wie de Bruyn sagt, „mit großem Erfolg“ gemeistert. Erste Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit waren anschließend im Rahmen einer Lesung und der Ausstellung „Echo Tektur. Ruinen und Modelle“ auf der Burg Beeskow zu erleben; im Frühjahr 2024 wurden sie unter dem Titel „straucheln und lichten. Ein Waldversuch“ im Koeppen-Haus in Greifswald präsentiert. Mit seinen im Wald an der Blabber entstandenen Fotografien konnte Sven Gatter auch die Jury des Brandenburgischen Kunstpreises überzeugen, die ihm für diese Arbeiten den Preis in der Kategorie Fotografie zuerkannte. „Wir freuen uns, dass unser gemeinsames Stipendium so gut gestartet ist. Es verbindet literarische und künstlerische Akteure auf ganz besondere Weise sogar über die Landesgrenzen hinaus“, sagt Anke Pätsch, Vorständin der Stiftung Kleist-Museum.