Papiertheater

Über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, erfreut sich das Papiertheater heute wieder zunehmender Beliebtheit. Im Rahmen einer dreiwöchigen Papiertheaterwerkstatt im November 2020 arbeiteten auf der Burg Beeskow sechs Künstler:innen, aus verschiedenen Sparten an neuen Papiertheaterprojekten. Mit den Papiertheatertagen vom 04. bis 08. November 2021 präsentieren sie nun ihre entstandenen Inszenierungen.

22. Oktober 2021
  • Olearius - © Rainer Sennewald

    Olearius - © Rainer Sennewald 

  • © Schuhputzzeug AT_Steinitz_04_Foto Rainer Sennewald

  • Willibald - © Rainer Sennewald

    Willibald - © Rainer Sennewald 

Das Papiertheater ist eine Kunstform, die sich seit Ende des 18. Jh in ganz Europa, später auch darüber hinaus ausbreitete: Mit Hilfe von gedruckten Ausschneidebögen wurden Miniaturtheater aus Papier gebaut, mit denen man im eigenen Wohnzimmer Szenen großer Theaterklassiker nachspielen konnte. Es war der Fernseher jener Zeit – mit einem großen Unterschied: Um in diesem Kasten bewegte Bilder betrachten zu können, bedarf es der eigenen Kreativität und Spielfreude. Über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, erfreut sich das Papiertheater heute in aller Welt wieder zunehmender Beliebtheit. Traditionelle Spielformen sind noch zu finden; viele zeitgenössische Inszenierungen hingegen lösen sich von der klassischen Form des Guckkastenprinzips und erobern neue Frei- und Spielräume. Hier erweist sich die Kunstform des Papiertheaters als ein ideales Medium, um der künstlerischen Sprache von Künstler*innen der verschiedensten Sparten Ausdruck zu verleihen. Auch in der Pädagogik erfahren verwandte Formen des Papiertheaters, wie das japanische „Kamishibai“ ein Comeback.

Programm der Papiertheatertage 2021 vom 04.-08. November 2021:
(Die Aufführungen sind für Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene gleichermaßen geeignet. Der Eintritt beträgt 5 €)

Do., 04.11.2021, 18:30 Uhr

Do., 04.11.2021, 18:30 Uhr

Papiertheater trifft Illu-Slam heißt es am Donnerstag, den 04. November 2021, 18:30 Uhr, wenn die Papiertheaterspieler zu Gast beim 10. Internationalen Bilderbuchfestival in Müncheberg sind. Unter dem Motto “Vorsicht, komische Pferde!” wird hier ein multitalentiertes Ensemble von Illustrator:innen auftreten, um beim traditionsreichen Illu-Slam in der Stadtpfarrkirche Müncheberg ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen – spontan und ohne Absprachen. Begleitet werden sie von der lettischen Jazz-Pianistin Agita Rando, die eine Meisterin der Improvisation ist. Die Krönung erfährt dieser Abend dann gleich dreimal, wenn die Papiertheater-Biennale Beeskow Einblicke in diese seltene Kunstgattung - ein Geschwister des Bilderbuchs - gibt. [weiter Infos]

Fr., 05.11.2021, 15 bis 18 Uhr

Fr., 05.11.2021, 15 bis 18 Uhr

Wer nicht nur als Zuschauer:in in die faszinierende Welt des Papiertheaters eintauchen möchte, ist am Freitag, den 05. November, 15 bis 18 Uhr, zum Papiertheaterworkshop eingeladen. Eric Poirier gibt Einblick, wie aus einer Geschichte ein Papiertheater werden kann. Der Fokus wird dabei in diesem Jahr nicht auf der handwerklichen, sondern auf der dramaturgischen Umsetzung liegen. Mit Papiertheaterfiguren aus dem breitgefächerten Bestand des französisch stämmigen Schauspielers können Interessierte ihre mitgebrachten Geschichten selbst inszenieren. Das Angebot ist kostenfrei und richtet sich an alle, die die magische Kunstform des Papiertheaters entdecken möchten. Zeichnerische oder schauspielerische Vorkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich.

Fr., 05.11.2021, 19 Uhr

Fr., 05.11.2021, 19 Uhr

Am Freitag, den 05. November, 19 Uhr, präsentieren Birke Küszter (Hamburg) und Theresita Colloredo (Hamburg) Auszüge ihres neuesten Stücks „Offt begehrte Beschreibung der orientalischen Reise des Adam Olearius“ oder „Wie es dazu kam, dass 1639 ein Kamel durch Schleswig lief“. Um Handelsbeziehungen mit dem Schah von Persien aufzunehmen, macht sich eine deutsche Handelsdelegation auf den Weg von Hamburg nach Isphahan. Eine neue Seidenroute soll entstehen. Eine unglaubliche Unternehmung, bei der mit allem gerechnet werden muss: Stürmen zur See, Überfällen von Tataren und Kosaken, unbekannten Krankheiten, ungewöhnlichen Sitten und Gebräuchen fremder Religionen und Kulturen. Dank des deutschen Gelehrten Adam Olearius, der die Reise als Sekretär begleitete, liegt ein ausführlicher Reisebericht vor, der, versehen mit Abbildungen von fremden Völkern und Originalschauplätzen, dem Stück als Vorlage diente.

Sa., 06.11.2021, 19 Uhr

Sa., 06.11.2021, 19 Uhr

Mit „Ausgerechnet das Schuhputzzeug“ (AT) spürt Barbara Steinitz (Berlin) zusammen mit dem Musiker Björn Kollin (Berlin) am Samstag, den 06. November, 19 Uhr der Familiengeschichte ihres Vaters nach, der als Junge zusammen mit seiner Familie seine nordböhmische Heimat für immer verlassen musste. Mit leichter Hand skizziert sie szenisch-grafische Miniaturen aus den Zeitzeugenberichten ihrer Großmutter und ihres Vaters. Gezeigt werden einzelne Szenen - trotz aller Schwere oft mit Humor erzählt. Im Anschluss wird zu einem Gespräch mit musikalischem Ausklang eingeladen.

So., 07.11.2021, 17 Uhr

So., 07.11.2021, 17 Uhr

Marlis Sennewald (Halle) und Eric Poirier (Montfrin, FR) bringen am Sonntag, den 07. November, 17 Uhr mit „Willibald - der Absturz“ das dritte und letzte Abenteuer des Mäuserichs Willibald auf die Bühne. Der Mäuserich hält weiterhin zusammen mit seinen Spießgesellen Hermann und Josef den Mäusestamm in einem willkürlichen Regime in Atem. Eine ansteigende Flut bedroht die Mäuse jedoch in ihrer Behausung. Willibald als Chef ist gefordert. Absurde Einfälle, kuriose Begegnungen, wilde Abenteuer führen zu dramatischer Zuspitzung.